Was passiert, wenn es passiert?

Der Orgasmus: Auf den Punkt gebracht

Es ranken sich unzählige Mythen, Theorien und Ratgeber um den sexuellen Höhepunkt, den Sekundenrausch, das große O oder „le petite mort“ (dt. der kleine Tod), wie die Franzosen ihn nennen. Er soll jung halten, bei Einschlafproblemen helfen und Kopfschmerzen schneller als eine Tablette heilen. Wie das ekstatische Hochgefühl aber genau entsteht, ist noch weitgehend unerforscht. Fakt ist: Ihm sind sogar gleich zwei Feiertage gewidmet. Am 21. Dezember ist der offizielle Welt-Orgasmus-Tag. Die brasilianische Kleinstadt Esperantina hat jedoch den 9. Mai zum Tag des Orgasmus erklärt. Unter dem Motto „Alle haben das Recht auf Lust“ finden dort seit 2002 Podiumsdiskussionen und Feierlichkeiten zum lustvollen Thema statt.

Komm schon, Schatz!

Er fühlt sich an wie ein Rausch, der den gesamten Körper erfasst – doch was passiert eigentlich beim Orgasmus? Die amerikanischen Sexualforscher William Masters und Virginia Johnson haben die „sexuelle Reaktion“ in vier Phasen eingeteilt. Die Erregungsphase: Die Blutgefäße weiten sich und Blut strömt vermehrt in die Schwellkörper. Der Penis wird steif, die Brustwarzen stellen sich auf, die Vagina wird feucht und die Klitoris schwillt an. Phase zwei – das Plateau: Die Atmung wird schneller, der Puls steigt. Bei Männern schwellen die Hoden an, bei Frauen füllt sich das untere Drittel der Vaginawand mit noch mehr Blut und bildet die sogenannte orgastische Manschette. Die Anspannung nähert sich der Explosion: Phase drei, der Orgasmus. Es kommt im Genitalbereich zu rhythmischen, unwillkürlichen Muskelkontraktionen, mit denen sich die Spannung entlädt und wellenförmig den gesamten Körper erfasst. Bei Männern wird die Samenflüssigkeit herausgeschleudert. Die Rückbildungsphase: Die Muskeln lockern sich, die Atmung und der Blutdruck normalisieren sich – totale Entspannung tritt ein. Während beim Großteil der Männer jetzt erst mal „tote Hose“ angesagt ist, sind Frauen theoretisch bereit für Runde Nummer zwei.

Ahhh! Faktenwissen rund um das große Ohhh

Während einer weltweiten Studie zufolge 80 Prozent aller Männer beim Sex fast immer zum Höhepunkt kommen, erleben nur etwa 30 Prozent der Frauen regelmäßig einen Orgasmus. Vor allem bei One Night Stands hat das weibliche Geschlecht das Nachsehen – hierbei kommt im Schnitt nur jede Fünfte auf ihre Kosten. Ausgleichende Gerechtigkeit: Sie erlebt den Lustgipfel dafür im Schnitt doppelt so lang wie er – nämlich etwa zehn Sekunden. Etwa 10 Prozent aller Frauen hatten noch nie einen Orgasmus, knapp 90 Prozent der Frauen haben ihn schon vorgetäuscht und wiederum 95 Prozent erreichen ihn immer beim Masturbieren. Frauen können multiple Orgasmen erleben, bei denen der zweite Höhepunkt oft noch intensiver empfunden wird, als der erste. Also, nach dem Sex nicht gleich die Hände in den Schoß legen – und wenn, dann am besten gleich in den ihrer Partnerin!

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